livland
Die "wolffschen" Stammgüter:
Den verschiedenen Zweigen der Familie von Wolff gehörten am Ende des 19. Jahrhunderts insgesamt etwa 270.000 ha Grundbesitz in Livland und Estland. Während der Russischen Revolution in den Jahren 1905/1907 wurden im Baltikum 184 Herrenhöfe und Schlösser von den Aufständischen besetzt, geplündert und in Brand gesetzt, darunter auch die Güter derer von Wolff. Zwar wurden danach einige Anwesen wiedererrichtet, doch beschloss das nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig gewordene Lettland im April 1920 eine Landreform, welche die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung der meist deutsch-baltischen Großgrundbesitzer endgültig brach. Diese durften je Familie nur 50 ha Land behalten. Der Rest wurde entschädigungslos enteignet und in Zehntausende neue Hofflächen für Kleinbauern aufgeteilt. In Folge der Umsiedlung der Deutsch-Balten nach Deutschland 1939 und der Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion im folgenden Jahr ging auch der noch verbliebene Besitz der ehemaligen Großgrundbesitzer verloren. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurden einige der früheren Wolff’schen Herrenhäuser wieder aufgebaut und dienen seitdem öffentlichen Einrichtungen.
I. Linie
Schloss Lysohn
(Lett.: Lizuma muižas pils)
Schloss Lysohn (LETT.: Lizuma muižas pils) liegt in der Region Vidzeme und ist eng mit der Geschichte der Familie von Wolff verbunden. 1836 erwarb Otto Johann Gottlieb Wolff (1804–1859) das Anwesen und ließ anstelle eines älteren Herrenhauses ein neues Schloss errichten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das zweigeschossige, rechteckige Gebäude im englischen Tudorstil umgestaltet. Charakteristisch sind die neu gefasste Fassade, der mit einer Attika bekrönte Mittelrisalit sowie ein achteckiger Turm. Teile der qualitätvollen Innenausstattung des Künstlers Aleksandrs Knoks sind bis heute erhalten, insbesondere im Treppenhaus sowie im sogenannten Blauen- bzw. Jägersaal.
Nach der Landreform von 1920 wurde das Schloss verstaatlicht und ab 1936 schulisch genutzt; seit 1957 befindet sich hier eine weiterführende Schule. Umgeben ist das Schloss von einem etwa 5 Hektar großen Landschaftspark mit Teichen, altem Baumbestand und mehreren Wirtschaftsgebäuden, darunter eine ehemalige Destillerie.
II. Linie Laitzen (Lettland)
1.Ast:
Schloss Semershof
(Lett.: Ziemera muižas pils)
Schloss Semershof (LETT.: Ziemera muižas pils) liegt in der historischen Region Vidzeme und ist eng mit der Geschichte der Familie von Wolff verbunden. Das Schloss wurde 1786 im Stil des Klassizismus errichtet. Aus dieser frühen Bauphase sind bis heute wesentliche originale Elemente erhalten, darunter Treppen, Parkettböden, Kamin und das Deckgesims, die den ursprünglichen Charakter des Hauses bewahren.
Im Jahr 1804 erwarb Johann Gottlieb Wolff das Anwesen von Otto Reinhold Brandten. Unter seiner Ägide wurde das Gut 1807 erweitert: Ein Vorratsraum im Empirestil sowie ein Stallgebäude kamen hinzu und unterstrichen die wirtschaftliche Bedeutung des Gutes.
Schloss Semershof steht exemplarisch für die klassizistische Gutskultur Livlands und das langfristige Wirken der Familie von Wolff, die das Anwesen als Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungszentrum prägte.
II. Linie
2.Ast:
Schloss Fianden
(Lett.: Lāzberģa muižas pils)
Schloss Fianden (LETT.: Lāzberģa muižas pils) liegt malerisch am nördlichen Ufer des Marienburger Sees (lettisch Alūksnes ezers) in der historischen Region Vidzeme. Das Landgut wurde 1798 Johann Gottlieb Wolff erworben.
Sein Sohn, Ernst Christoph Alexander Wolff (1783–1832), ließ 1821 ein Schloss errichten, das 1860 im neogotischen Stil umgestaltet wurde. Die Anlage verband repräsentative Architektur mit der eindrucksvollen Seenlandschaft und stand exemplarisch für die livländische Gutskultur der Familie von Wolff.
Nach 1918 verfiel das Gebäude zusehends. Teile des bis dahin gut erhaltenen Schlosses wurden staatlicherseits als Baustofflieferant freigegeben, was zu seinem heutigen stark verfallenen Zustand führte. Schloss Fianden bleibt damit ein eindrückliches Zeugnis der Geschichte der Familie von Wolff und der tiefgreifenden Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
II. Linie
3.Ast:
Schloss Neu-Laitzen
(Lett.: Jaunlaicene muižas pils)
Schloss Neu-Laitzen (LETT.: Jaunlaicene muižas pils) liegt im historischen Livland und ist eng mit der Geschichte der Familie von Wolff verbunden. Das Anwesen wurde 1789 von dem mit der Familie befreundeten Michail Semjonowitsch Woronzow erworben und anschließend von Johann Gottlieb Wolff umfassend ausgebaut.
Der Ausbau erfolgte bewusst ohne äußerliche Pracht, jedoch mit großer wirtschaftlicher und funktionaler Weitsicht. Zwischen dem späten 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden neben dem Schloss 33 Wirtschafts- und Nebengebäude aus Feldstein und lokal gefertigten Ziegeln; 16 dieser Gebäude sind bis heute erhalten. 1870 wurde das Anwesen durch eine Familienkapelle mit Krypta ergänzt.
Zum Gut gehört ein etwa 9 Hektar großer Landschaftspark mit Teichen, Insel und altem Baumbestand. Im ehemaligen Haus des Gutsverwalters befindet sich heute ein Museum, das dem kulturhistorischen Erbe des Gutes Neu-Laitzen sowie der Kirchengemeinde Opekalns gewidmet ist.
Schloss Neu-Laitzen steht exemplarisch für die sachliche, nachhaltige Gutskultur der Familie von Wolff und ihr langfristiges Wirken in Livland.
II. Linie
4.Ast:
Schloss Lettin
(LETT.: Litenes muižas pils)
Schloss Lettin (LETT.: Litenes muižas pils) liegt in der historischen Region Vidzeme in einem etwa 11,5 Hektar großen Park am Ufer der Pededze. Zwischen 1817 und 1819 ließ Otto Heinrich Theodor Wolff (1790–1838), Sohn von Johann Gottlieb Wolff, hier ein neues Schloss im klassizistischen Stil errichten. Als architektonisches Vorbild diente Schloss Neu-Laitzen.
Zur historischen Anlage gehören eine Allee von 1796 sowie Stallungen aus dem Jahr 1821, die die wirtschaftliche Bedeutung des Gutes unterstreichen. Nach einem Brand 1905 wurde das Schloss in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Im Zuge der lettischen Landreform von 1920 erfolgte die Enteignung; die Ländereien wurden in kleinere Hofflächen aufgeteilt.
Seit 1924 wird Schloss Lettin als Grundschule genutzt. Das Gebäude sowie die zugehörigen Wirtschaftsgebäude stehen heute unter Denkmalschutz und zeugen von der Gutskultur der Familie von Wolff in Livland.
II. Linie
5.Ast:
Schloss Stomersee
(LETT.: Stāmerienas muižas pils)
Schloss Stomersee (LETT.: Stāmerienas muižas pils) liegt malerisch zwischen dem Stāmerienas ezers und dem Pogas-See in einem rund 25 Hektar großen Landschaftspark im englischen Stil (Fächerform). Das Schloss wurde von Johann Gottlieb Wolff errichtet und 1835 im Stil der Neorenaissance umgebaut.
1904 ließ Boris Wolff für seine Mutter Sophia Potjomkin die Alexander-Newski-Kirche errichten. Nach einem Brand 1905 wurde das Schloss 1908 originalgetreu wiederaufgebaut und um Elemente des Palladianismus und Jugendstils ergänzt.
Stomersee war eines der wenigen lettischen Herrenhäuser, die nach der Bodenreform 1920 nicht enteignet wurden; die Familie von Wolff-Stomersee lebte hier bis 1939. In dieser Zeit war der italienische Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa mehrfach zu Gast; 1932 heiratete er in Riga Alice Alexandra Wolff, die Besitzerin von Schloss Stomersee.
Nach 1945 diente das Schloss als landwirtschaftliche Hochschule und später als Sowchose-Büro. Seit 1991 ist das Anwesen restauriert und wird heute als Kulturzentrum genutzt – ein herausragendes Zeugnis der Gutskultur der Familie von Wolff in Livland.
Quellen: Siehe Impressum
2.Ast:
Schloss Lettin (LETT.: Litenes muižas pils)
liegt in der historischen Region Vidzeme in einem etwa 11,5 Hektar großen Park am Ufer der Pededze. Zwischen 1817 und 1819 ließ Otto Heinrich Theodor von Wolff (1790–1838), Sohn von Johann Gottlieb von Wolff, hier ein neues Schloss im klassizistischen Stil errichten. Als architektonisches Vorbild diente Schloss Neu-Laitzen.
Zur historischen Anlage gehören eine Allee von 1796 sowie Stallungen aus dem Jahr 1821, die die wirtschaftliche Bedeutung des Gutes unterstreichen. Nach einem Brand 1905 wurde das Schloss in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Im Zuge der lettischen Landreform von 1920 erfolgte die Enteignung; die Ländereien wurden in kleinere Hofflächen aufgeteilt.
Seit 1924 wird Schloss Lettin als Grundschule genutzt. Das Gebäude sowie die zugehörigen Wirtschaftsgebäude stehen heute unter Denkmalschutz und zeugen von der Gutskultur der Familie von Wolff in Livland.
Quellen: Siehe Impressum













