Baltikum

Wolffsche Güter

Schloss Alt-Schwanenburg
(lett.: Vecgulbene muižas pils)

Das 1763 von Burkhard Christoph Münnich errichtete „Schloss Alt-Schwanenburg“, auch „Weißes Schloss“ genannt, gelangte 1789 in den Besitz von Otto Hermann Vietinghoff und wurde 1802 von Johann Gottlieb Wolff erworben. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts von dessen Enkel Rudolf Gottlieb Magnus Wolff (1809–1847) im Stil der Neorenaissance großzügig ausgebaut, wurde das Schloss um 1880 durch Rudolfs Sohn Johann Heinrich Gottlieb Wolff (1843–1897) erweitert. Während der Unruhen 1905 teilweise niedergebrannt, zerstörte Artilleriebeschuss während des Zweiten Weltkriegs einen weiteren Teil des Anwesens.

Östlich des Schlosses Alt-Schwanenburg liegt das „Rote Schloss“

Johann Heinrich Gottlieb Wolff (1843–1897) ließ es nach seiner Hochzeit 1875 mit Marissa Öttingen (1857–1883) für diese errichten. Zudem widmete er ihr die neu angelegten Parkanlagen mit künstlichen Teichen, Seen, Grotten, Pavillons, Brücken usw. Während das “Rote Schloss” heute als Grundschule genutzt wird, warten das Schloss Alt-Schwanenburg und dessen Landschaftspark noch auf ihre vollständige Restaurierung. Die Wirtschaftsgebäude des Guts Alt-Schwanenburg sind hingegen erhalten geblieben: Käserei, Manege, Orangerie, Gesindehaus, Stallungen und Viehküche.

Schloss Dickeln
(lett.: Dikļi)

Das Schloss Dickeln (lett.: Dikļi) in Lettland wurde 1896 im Neobarockstil erbaut, seine Geschichte reicht aber bis ins 15. Jahrhundert zurück, als das Gut erstmals erwähnt wurde. Es war im Besitz von Baron Paul Wolff und wurde 2003 aufwendig restauriert, wobei auch der ältere, spätklassizistische Kornspeicher aus dem 18. Jahrhundert erhalten blieb, der Teil des Ensembles ist. Heute beherbergt das prächtige Schloss ein Hotel und Museum mit Kunstsammlungen und ist ein bedeutendes Baudenkmal.

Die Burg Wenden
(lett.: Cēsu pils)

Die Burg Wenden (lettisch Cēsu pils) ist die Ruine einer ehemaligen Deutschordensburg in der heutigen lettischen Stadt Cēsis (deutsch Wenden). Von 1297 bis 1561 war sie – mit kurzen Unterbrechungen – Sitz des livländischen Landmeisters und damit das politische und administrative Zentrum des Deutschen Ordens in Livland. Kaum ein anderer Ort verkörpert die mittelalterliche Ordensherrschaft im Baltikum so eindrücklich wie Wenden.

Nach ihrer Errichtung im frühen 13. Jahrhundert durch den Schwertbrüderorden und der späteren Übernahme durch den Deutschen Orden entwickelte sich die Burg unter Hermann Balk und seinen Nachfolgern zum Hauptsitz des livländischen Meistertums. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts wurde sie zu einer repräsentativen Vierflügelanlage mit mehreren befestigten Vorburgen ausgebaut. In den folgenden Jahrhunderten war die Burg wiederholt Belagerungen und Zerstörungen ausgesetzt und wurde nach 1703 endgültig aufgegeben, als sie bereits weitgehend verfallen war.

Eine neue historische Phase begann im 18. Jahrhundert, als die Familie von Wolff Eigentümerin des Burgareals wurde. In einer Zeit, in der viele mittelalterliche Ordensburgen dem völligen Abbruch preisgegeben wurden, entschieden sich die Wolffs bewusst für eine Umnutzung und Erhaltung des historischen Ortes. Im Bereich einer der Vorburgen ließen sie ein Herrenhaus errichten, das die Ruine in den adeligen Guts- und Lebensraum integrierte und der Anlage eine neue Funktion jenseits ihrer militärischen Vergangenheit verlieh.

Mit diesem Schritt prägte die Familie von Wolff den Übergang Wendens von einer reinen Ordensburg zu einem kulturhistorischen Erinnerungsort. Die mittelalterliche Substanz blieb erhalten, während das Gelände zugleich in die adelige Landschafts- und Gutskultur des Baltikums eingebunden wurde. Diese Entwicklung setzte sich im frühen 19. Jahrhundert fort, als unter späteren Eigentümern das Umfeld der Burg als romantischer Landschaftsgarten gestaltet wurde – ein Ansatz, der die historische Ruine bewusst als Zeugnis vergangener Epochen inszenierte.

Bis heute ist die Burg Wenden untrennbar mit dieser Phase ihrer Geschichte verbunden. Sie zählt zu den besterhaltenen Burgruinen Lettlands und ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Cēsis. Seit dem 16. Dezember 1998 steht die Anlage unter Denkmalschutz, ebenso wie der benachbarte Nussberg, auf dem sich die hölzerne Vorgängeranlage befand.

Die Rolle der Familie von Wolff markiert damit einen entscheidenden Wendepunkt: Sie bewahrte die Burg vor dem völligen Verschwinden und trug dazu bei, dass Wenden bis heute als historisches, kulturelles und identitätsstiftendes Monument Livlands erhalten blieb.










Quellen: Siehe Impressum

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