Baltenregiment

Karl Freiherr von Manteuffel

Am Ende des Ersten Weltkriegs befand sich Estland noch unter der Kontrolle der deutschen 8. Armee. Als sich der deutsche Rückzug abzeichnete und gleichzeitig deutlich wurde, dass sowjetische Truppen in das Baltikum vorrücken würden, einigte sich der Reichsbevollmächtigte August Winnig am 19. November 1918 mit der jungen Republik Estland auf die Übergabe erbeuteten russischen Militärmaterials. Damit sollte der rasche Aufbau einer eigenen estnischen Armee ermöglicht werden.

Angesichts der unmittelbaren Bedrohung sah sich der neue Ministerpräsident und Kriegsminister Konstantin Päts gezwungen, sämtliche verfügbaren Kräfte zu mobilisieren. In einer Besprechung am 26. November 1918 wurde daher gemeinsam mit Vertretern der deutschbaltischen Gemeinschaft die Aufstellung einer Schutzwehr aus deutschbaltischen Freiwilligen beschlossen.

Bereits am 27. November bildete sich in Rakvere (Wesenberg) der erste Kern des späteren Baltenregiments, zunächst als Teil des 5. estnischen Regiments unter Oberst Weiß. Nach schweren Gefechten und dem Rückzug Richtung Imavere vereinigte sich diese Einheit am 29. Dezember 1918 mit einer zweiten deutschbaltischen Formation unter Rittmeister Viktor von zur Mühlen, die zuvor in Tartu (Dorpat) mit deutscher Unterstützung aufgestellt worden war. Aus dieser Vereinigung entstand das etwa 450 Mann starke Baltenbataillon, das 1919 auf 700 bis 800 Soldaten anwuchs.

Die Freiwilligen stammten überwiegend aus deutschbaltischen Corpsstudentenkreisen der Universität Dorpat und des Rigaer Polytechnikums – vielfach Söhne adeliger Gutsfamilien. Die Offiziere hatten zumeist im Zarenheer gedient. Ausrüstung und Waffen wurden teilweise von der abziehenden deutschen Armee übernommen oder von der deutschbaltischen Bevölkerung gespendet. Damit wurde das Baltenregiment zu einem entscheidenden Beitrag der deutschbaltischen Gemeinschaft für den Schutz Estlands in den Wirren der Unabhängigkeitskriege.

Gedenkstätten, die an die gefallenen Mitglieder der Baltischen Landeswehr und des Baltenregiments erinnern:

Die Baltenfahne

“Die Baltenfahne” ist ein Gedicht von Karl Freiherr von Manteuffel, welches er 1920 schrieb. Es spielt im Baltikum bei der Befreiung von Riga von der Roten Armee im Jahre 1919, an welcher der Offizier Baron Hans von Manteuffel-Szoege mit seinem 1. Deutschbaltischen Kampfbataillon der Baltischen Landeswehr teilnahm und dabei ums Leben kam. Das Lied wird gerne auch nach seiner Anfangszeile “Die Grenzwacht wird im Osten” betitelt, der eigentliche Name ist jedoch “Die Baltenfahne”. Wer die Vertonung dieses Gedichts geschaffen hat, ist unklar.

Die Grenzwacht hielt im Osten, dem Feinde lange stand,
Heut kehrt ihr letzter Posten, zurück ins Vaterland.
Erschöpft und aufgerieben, in treuer Ritterschaft,
Die Besten sind geblieben, uns ander’n brach die Kraft.

Doch bringen wir die Fahne, die wehend vor uns stritt,
Von Rigas blut’gem Plane, in allen Ehren mit.
Die sturmbewährt sich nimmer, vor einem Feind geneigt,
Und heute noch und immer, den Weg nach Osten zeigt.

Es rauscht dorthin zu mahnen, zu ihr der Väter Geist,
Trotz aller Not ein Ahnen, das deutsche Zukunft heißt.
Sind wir auch fremd geworden, euch Brüdern aus dem Reich,
Aus West und Süd und Norden, das Banner blieb sich gleich.

Ob wir auch hier verderben, das kümmere euch nicht,
Die Fahne zu vererben, ist unsere letzte Pflicht.
Ich darf nicht länger zagen, bald zwingt sie euren Sinn,
Nach Ostland sie zu tragen, sie will sie muss dorthin.
Nach Ostland sie zu tragen, sie will sie muss dorthin.

Baron Hans von Manteuffel-Szoeg

Quellen: Siehe Impressum

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